Sportschau
October 14, 2026

Stand: 14.10.2026 • 10:07 Uhr
4:2 gegen Australien und 2:1 gegen Japan - viel besser hätte es für die DFB-Frauen in den jüngsten beiden Testspielen nicht laufen können. Der Spaß war den Spielerinnen deutlich anzumerken, das Fazit von Bundestrainer Christian Wück fiel sehr positiv aus.
Manchmal ärgerte sich Christian Wück. Über missglückte Aktionen seiner Spielerinnen oder Entscheidungen des Schiedsrichterinnen-Teams. Aber der Bundestrainer klatschte Klara Bühl und Co. auch immer wieder Applaus.
Beim Tor zum 2:1-Endstand am Dienstag gegen Japan durch die wohl aktuell beste Deutsche jubelte er erst kurz allein, dann klatschte er die gesamte Bank ab. Nach dem 4:2 gegen Australien in Karlsruhe vier Tage zuvor zeigten die DFB-Frauen auch in Bremen gegen den Asienmeister ein mitreißendes Spiel.
"Wir können alle stolz sein. Was wir auf dem Platz gelassen haben, war schon außergewöhnlich", sagte Wück. Nach einer schwierigen Anfangsphase, in der die Japanerinnen das Spiel im Griff hatten und "folgerichtig" (O-Ton Wück) in Führung gegangen waren, wurde sein Team von Minute zu Minute stärker. "Und die Dominanz, die wir dann ausgestrahlt haben, war genau das, was wichtig ist, um erfolgreich zu sein."
Dabei wurde in den vergangenen Tagen deutlich, welche Tiefe der deutsche Kader mittlerweile hat. Vier Wechsel hatte Wück im Vergleich zum Australien-Spiel vorgenommen. Und die Mannschaft spielte wie aus einem Guss.
Kapitänin Giulia Gwinn, eigentlich auf der Rechtsverteidigerinnen-Position gesetzt, fehlt genauso wie einige andere verletzt. In Carlotta Wamser und auch Marie Müller hat Wück aber mittlerweile gleich zwei Spielerinnen, die Gwinn hinten rechts auf hohem Niveau vertreten können.
"Wir bekommen immer mehr Alternativen auf bestimmten Positionen. Und wir merken, dass wir keinen Qualitätsverlust mehr haben", so Wück. Ganz am Ziel sieht er seinen Kader aber noch nicht angekommen. Es gebe nämlich weiter Positionen, auf denen die Möglichkeiten überschaubar seien: "Wenn zum Beispiel im zentralen Mittelfeld Sjoeke Nüsken oder Elisa Senß ausfallen, dann gibt es noch ein, zwei Spielerinnen. Aber dann wird es schon eng."
Der Bundestrainer gönnte sich gegen Japan allerdings den Luxus, nicht nur die stellvertretende Kapitänin Janina Minge in der ersten Hälfte zu schonen. Und das gegen eine seiner Meinung nach mit dem Ball besten Nationen der Welt. Gegen die eher kleingewachsenen Asiatinnen verzichtete Wück auch darauf, mit der knapp 1,80 Meter großen Melissa Kössler auf die vermeintlich naheliegende Sturm-Besetzung zu setzen. Dabei hatte Kössler gegen Australien noch doppelt getroffen.

Ein Spielzug wie ein Gemälde: Linda Dallmann traf sehenswert zum 1:0 gegen Japan.
Stattdessen lief die fast zehn Zentimeter kleinere Nicole Anyomi von Beginn an auf. Das Zeichen war klar: Versucht es gar nicht erst mit hohen Flanken, zeigt, was ihr spielerisch drauf habt. Und das klappte mit fortlaufender Spieldauer immer besser. "Ich glaube, man hat uns den Spaß angesehen", sagte Linda Dallmann und lachte.
Spaß - das war das Wort, das nach dem Spiel in der Mixed Zone bei den Interviews mit Abstand am häufigsten fiel. Ob Dallmann, Klara Bühl, Nüsken oder Jule Brand. Alle strahlten - und das nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch über die Art und Weise, wie es zum 2:1-Erfolg gekommen war.
Dallmann schwärmte von der "Gier", die man dem Team angemerkt habe. Und gerade die jungen Spielerinnen hätten "eine krasse Energie" auf den Platz gebracht. Die Gegnerinnen in den beiden Testspielen hätten vielleicht mehr Erfahrung gehabt, die Leistung des deutschen Teams sei aber "sehr beeindruckend" gewesen.
Unisono stellten die deutschen Spielerinnen auch heraus, dass die Mannschaft in ihrer Entwicklung den nächsten Schritt gegangen sei. Dazu gehörte eben auch, dass es diesmal gelang, das Spiel nach einem Rückstand noch zu gewinnen. "Das hätten wir vor einem halben Jahr noch nicht geschafft", so Wück. Und Bühl unterstrich, dass diese Erfahrung "extrem wichtig" gewesen sei. "Wir sind auf dem richtigen Weg."
Ein Rückstand wirft uns nicht aus der Bahn. Das war ein sehr gutes Spiel von uns. Wir haben Moral und eine gute Energie gezeigt. Es hat Spaß gemacht.
Nationalspielerin Sjoeke Nüsken
Die Linksaußen vom FC Bayern geht dabei voran. Die 25-Jährige, die im kommenden Jahr in Brasilien bereits ihre dritte WM spielen wird, versetzte das Bremer Publikum immer wieder ins Staunen. Bühls Kraft, Tempo, Spielwitz und Torgefahr sind in Deutschland einzigartig.
"Ich kenne auch im Männerbereich keinen Spieler, der so beidfüßig ist wie Klara. Sie ist eine Weltklasse-Spielerin", sagte der Bundestrainer. Der 53-Jährige unterstrich aber auch Bühls Rolle außerhalb des Platzes als "Frohnatur" und ihre Wichtigkeit für "die Chemie im Team".
Das 1:0 von Dallmann bereitete Bühl zusammen mit Franziska Kett über die linke Seite mustergültig vor. Den Siegtreffer erzielte sie nach Ablage von Jokerin Kössler dann selbst. Wie Bühl den Ball aus vollem Lauf mit links flach ins lange Eck jagte, entwickelt sich mehr und mehr zum "Signature-Move". Ein Mittel dagegen haben die Torhüterinnen bisher nicht gefunden.
"Dass Klara ein Tor macht, ist ja fast schon Normalität", sagte Dallmann, der es aber nicht zuletzt in Bezug auf ihr eigenes Tor wichtig war zu betonen, dass es ganz egal sei, wer die Tore schießt, solange sie geschossen werden. Bühl pries die Spielfreude ihres Teams, eine gewisser Zockermentalität und den Mut im Eins-gegen-eins.

Klara Bühl (r.) zieht zum 2:1 ab.
Die DFB-Frauen nutzten die beiden Testspiele gegen außereuropäische Teams als WM-Vorbereitung bestens. Bühl sprach angesichts der Ergebnisse von einem "Statement". Möglich waren die Partien nur, weil Deutschland seine Qualigruppe souverän gewonnen und sich so den Weg über die Play-offs erspart hat. Ende November und Anfang Dezember sollen weitere besondere Testspiele - sehr wahrscheinlich im Ausland - folgen.
Mit dieser Mannschaft ist sehr viel möglich und ich traue uns auch zu, Weltmeisterinnen zu werden.
Nationalspielerin Jule Brand
Auf einer Skala von 1 bis 10 erklärte Bühl mit einem Lachen, habe sich das Team eine 6,57 verdient. Auch in Bezug auf ihre eigene Leistung ("Da war schon einiges Gutes dabei") blieb sie mit einer 7,5 eher bescheiden. "Es ist doch schön, wenn die Spielerinnen noch Luft nach oben sehen", meinte Wück dazu.
Im neuen Jahr geht es mit der Nations League weiter, die wiederum als Qualifikation für die Olympischen Spiele gilt. Möglichkeiten, dann noch vor der WM zu testen, sieht Wück deshalb nicht. Ohnehin hat der Bundestrainer mittlerweile ein recht festes Gerüst aus Stammspielerinnen, zu denen auch Kett auf der linken Seite gehören dürfte.
Dass es nach dem 4:0 gegen die Niederlande im vergangenen Jahr und nun dem 2:1 gegen die Japanerinnen bald wieder ein Spiel in Bremen geben könnte, erscheint sehr wahrscheinlich. Die Hansestadt ist sportlich ein gutes Pflaster für die DFB-Frauen - und die diesmal 26.574 Fans sorgten für einen würdigen Rahmen.
Das sahen offenbar auch die Asienmeisterinnen so - und warteten nach dem Schlusspfiff noch mit einer ganz besonderen Geste auf. Da drehte der gesamte Kader eine Ehrenrunde. Jeweils in der Mitte der Tribünen angekommen, stellten sich alle Spielerinnen in Reihe auf und verneigten sich tief vor dem Publikum - insgesamt viermal. Und unter dem großen Jubel der Fans.
Danach feierten die Zuschauer, die auch aus dem Umland und Hamburg angereist waren, die DFB-Frauen und ihren Sieg. "Es war ein Fußballspiel auf einem unheimlich hohen Niveau. Es gab so viele Aspekte bei uns und beim Gegner, die einfach Freude und Spaß gemacht haben", sagte Wück: "Ich glaube, den Zuschauern hat es auch Spaß gemacht. Es war ein perfekter Abend."

Dieses Thema im Programm: NDR Info | Sport aktuell | 14.10.2026 | 22:25 Uhr
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